Fatima 1916-1917

Fatima liegt in der Mitte von Portugal, ca. 50 km vom Atlantischen Ozean entfernt, im Bezirk von Vila Nova de Ourém. In Aljustrel, einen kleinen abgelegenen Ort von Fatima wurden die drei kleinen Hirten geboren. Im Jahr 1916 besuchte ein Engel die drei kleinen Hirten von Aljustrel. Als Bote von der heiligen Jungfrau und Vorbote von grossen Ereignissen bereitete er die kleinen Seher vor, damit sie später die Botschaften der Jungfrau Maria, die ganz im Evangelium verankert sind, besser verstehen, lesen und verbreiten. 

Engell von Fatima

Erste Erscheinung in Fatima des Engels des Friedens

Im Frühling 1916, als die Kinder wie immer ihre Schafe hüteten und miteinander spielten, geschah etwas Seltsames: Ein starker Wind schüttelte die Bäume. Als die Kinder aufschauten, sahen sie einen Jüngling, weisser als Schnee. Die Sonne machte ihn durchsichtig als wäre er aus Kristall. Er war von grosser Schönheit. Als er den Kindern erschien, sagte er: "Habt keine Angst! Ich bin der Engel des Friedens! Betet mit mir!"

Dann kniete er nieder, beugte seine Stirn bis zur Erde und liess sie dreimal das Gebet wiederholen:
"Mein Gott, ich glaube an Dich, ich bete Dich an, ich hoffe auf Dich und ich liebe Dich. Ich bitte Dich um Verzeihung für jene, die nicht an Dich glauben, Dich nicht anbeten, nicht auf Dich hoffen und Dich nicht lieben."

Danach erhob er sich und sagte: "So sollt ihr beten. Die Herzen Jesu und Mariens hören auf eure Bitten." Worte, die sich den Herzen der Kleinen unvergesslich eingruben.

Zweite Erscheinung des Engels in Fatima

Im Sommer 1916 kam der Engel zur Zeit der Mittagsruhe, als die Kinder daheim beim Brunnen von Lucia spielten. Plötzlich war er vor ihnen und fragte:
"Was macht ihr? Betet! Betet viel! Die heiligsten Herzen Jesu und Mariens wollen euch Barmherzigkeit erweisen. Bringt dem Allerhöchsten ständig Gebete und Opfer dar. Bringt alles, was ihr könnt als Opfer dar, als Akt der Wiedergutmachung für die Sünden, durch die Er verletzt wird und als Bitte für die Bekehrung der Sünder. Gewinnt so für euer Vaterland den Frieden. Ich bin sein Schutzengel, der Engel Portugals. Vor allem nehmt an und tragt mit Ergebung die Leiden, die der Herr euch schicken wird."

Dritte Erscheinung des Engels in Fatima

Ende September oder Anfang Oktober im Jahr 1916 kam der Engel wieder. Über ihnen erschien ein unbekanntes Licht, und als sie sich aufrichteten, sahen sie ihn. Er hatte in der linken Hand einen Kelch, über dem eine Hostie schwebte, von der einige Blutstropfen in den Kelch fielen. Er liess den Kelch frei in der Luft schweben, kniete nieder und forderte die Kinder auf, dreimal zu beten:
"Heiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, in tiefster Ehrfurcht bete ich Dich an und opfere Dir auf den kostbaren Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit Jesu Christi, gegenwärtig in allen Tabernakeln der Erde, zur Wiedergutmachung für alle Schmähungen, Sakrilegien und Gleichgültigkeiten, durch die Er selbst beleidigt wird. Durch die unendlichen Verdienste Seines Heiligsten Herzens und des Unbefleckten Herzens Mariens bitte ich Dich um die Bekehrung der armen Sünder."

Danach erhob er sich, ergriff den Kelch und die Hostie, reichte die Hostie Lucia, teilte den Kelch zwischen Jacinta und Francisco und sprach:
"Empfangt den Leib und trinkt das Blut Jesu Christi, der durch die undankbaren Menschen so furchtbar beleidigt wird. Sühnt ihre Sünden und tröstet euren Gott."
Hierauf kniete er wieder nieder, betete mit den Kindern neuerlich dreimal das Sühnegebet an die Allerheiligste Dreifaltigkeit und verschwand.

Basilika von Fatima13. Mai 1917 - Erste Erscheinung der Gottesmutter in der Cova da Iria

Die Kinder waren auf die Begegnung mit der übernatürlichen Welt gut vorbereitet worden. Sie wussten nun - und nahmen es durchaus sehr ernst - dass sie viel beten und viele Opfer zu bringen hatten; dass Gott Sühne von jenen Menschen verlangt, die dazu bereit sind, um die Bekehrung der Sünder zu erlangen und insbesondere für jene Menschen, die Busse und Umkehr nicht mehr ernst nehmen. Sie hatten das Gebet des Engels täglich oft wiederholt.

Gott, der Geber alles Guten, senkte seine Liebe in diese kleinen Sühneseelen und machte sie würdig, himmlische Worte zu hören, die den Menschen zur Rettung gegeben wurden und an denen keiner mehr unberührt vorbeigehen kann, ganz gleich, ob er sie zur Kenntnis nimmt oder nicht. Gott steht zu seinem Wort, unabhängig von menschlichem Dafürhalten. Es war gegen Mittag des 13. Mai 1917. Lucia spielte mit den beiden anderen Kindern auf einer Anhöhe der Senke von Iria. Um der sengenden Hitze zu entkommen, bauten sie sich ein kleines Häuschen aus Ästen und Blättern. Plötzlich vernahmen alle drei einen Blitz.

Schnell sammelten sie die Herde ein und wandten sich dem Heimweg zu, ohne auch nur zu prüfen, von wo der Blitz bei heiterem Himmel hätte kommen können. So erreichten sie etwa die Mitte des Abhanges. In der Senke standen viele uralte Steineichen. Plötzlich sahen sie neben sich über der Eiche erneut einen Blitz. Sie schauten nach oben und erblickten eine Frau, ganz in Weiss gekleidet, strahlender als die Sonne. Obwohl sie durch die Engels-Erscheinungen strahlende, übernatürliche Wesen schon kannten, schien dieses tausendfach heller und majestätischer zu sein. Überrascht durch diese Wahrnehmung hielten sie so nahe beim Licht an, dass sie sich noch innerhalb des Lichtkranzes empfanden, der auch sie umgab. Die Frau lächelte die Kinder an und sagte:

"Fürchtet euch nicht! Ich tue euch nichts Böses!" Lucia fasste Mut und fragte: "Woher kommen Sie?" "Ich bin vom Himmel", war die Antwort. "Und was wollen Sie von mir?" wollte Lucia weiter wissen. Dann bat die Frau, in den folgenden fünf Monaten, jeweils am 13., zur selben Stunde, hierher zu kommen; dann werde sie sagen, wer sie sei und was sie wolle. Lucia richtete weitere Fragen an die Frau: "Komme ich auch in den Himmel?" "Ja, du wirst dorthin kommen!" "Und Jacinta?" "Sie auch!" "Und Francisco?"

Die Erscheinung blickte den Knaben mit einem Ausdruck der Güte und mütterlichen Mitleids an:
"Ja, auch er… aber er muss viele Rosenkränze beten." Das, was Lucia am meisten fesselt, ist der Gedanke an den Himmel, von dem die Dame Neuigkeiten bringt und den sie Lucia verheissen hat. Darum fragt Lucia sofort nach dem Schicksal zweier jüngst verstorbener Mädchen aus Aljustrel, die zu ihrer Mutter gekommen waren, um nähen und weben zu lernen. Die eine war ungefähr 16, die andere etwa 20 Jahre alt. Die Erscheinung antwortete, die eine sei im Himmel, die andere jedoch noch im Fegefeuer und werde noch lange dort bleiben müssen "bis ans Ende der Welt".

Dann fragte sie die Kinder:
"Wollt ihr euch Gott darbieten, um alle Leiden zu ertragen, die Er euch schicken wird, zur Sühne für die Sünden, durch die Er beleidigt wird und als Bitte um die Bekehrung der Sünder?"

Gott lässt den Menschen am Schönsten und Grössten teilnehmen: an der Errettung unsterblicher Seelen! Die Kinder, mit dem Sühnegedanken schon recht gut vertraut, schienen auf diese Frage gleichsam gewartet zu haben. Lucia sprach es freudig aus: "Ja, wir wollen es!" Die Dame nahm ihr freies Angebot an und bestätigte ihnen:

"Ihr werdet also viel leiden müssen, aber die Gnade Gottes wird eure Stärke sein!"

Über die nun folgenden Augenblicke der Entzückung lassen wir lieber Lucia selber reden. "Als sie diese letzten Worte sagte", schreibt Lucia, "öffnete sie zum ersten Mal die Hände und übermittelte uns ein so starkes Licht wie ein Widerschein, der von ihren Händen ausging; es drang uns in die Brust und bis in die tiefste Tiefe der Seele und liess uns selbst in Gott schauen, der dieses Licht war, viel klarer als wir uns im besten Spiegel sehen können. Durch eine innere Anregung, die uns ebenfalls mitgeteilt wurde, fielen wir nun auf die Knie und wiederholten ganz innerlich: O Heiligste Dreifaltigkeit, ich bete Dich an; mein Gott, mein Gott, ich liebe Dich im heiligsten Sakrament! Nach einigen Augenblicken fügte Unsere Liebe Frau hinzu: "Betet täglich den Rosenkranz, um den Frieden der Welt und das Ende des Krieges zu erlangen!"

Die Kinder sahen nun, wie sich die Frau erhob und sich langsam gegen Sonnenaufgang entfernte, bis sie ihren Blicken entschwand. Lucia wird später ihrem Bischof auf die Frage nach ihrem Befinden antworten, dass "die Erscheinungen Unserer Lieben Frau uns weder Angst noch Schrecken einflössten", sie hätten sie nur überrascht. Über die Blitze schreibt sie, dass es sich um "keine eigentlichen Blitze handelte, sondern um einen Widerschein des Lichtes, das sich näherte. Wenn wir dieses Licht sahen, sagten wir manchmal, wir sähen Unsere Liebe Frau kommen; wir konnten aber Unsere Liebe Frau erst vom Licht unterscheiden, wenn sie schon über der Steineiche war."

Zweite Erscheinung der Heiligen Jungfrau Maria in Fatima - 13. Juni 1917

Die Kinder waren voller Erwartung, hatte doch die Frau ihnen aufgetragen, am 13. jeden Monats in die Cova da Iria zu kommen. Zu ihnen gesellten sich einige Menschen aus dem Dorf, mit denen sie den Rosenkranz beteten. Dann sahen sie den "Blitz", ähnlich wie im Mai, auf sich zukommen, bis sie die Frau über der Steineiche erblickten. Lucia konnte es nicht erwarten, bis sie zu ihr sprach. "Was wünschen Sie von mir?" fragte sie die Frau. Lucia berichtete anschliessend ihren Eltern, dass die Frau ihr auftrug, lesen und schreiben zu lernen - ein Auftrag, der eher ungewöhnlich war für ein einfaches Dorfkind, war doch Lesen und Schreiben zu dieser Zeit, und erst recht in Aljustrel, eher ein Privileg der Wohlhabenden. Dann bat die Frau erneut um den täglichen Rosenkranz. "Ich möchte Sie bitten", sprach Lucia die Frau an, "uns in den Himmel mitzunehmen."

"Ja", antwortete die Frau. "Jacinta und Francisco werde ich bald holen. Du bleibst noch einige Zeit hier. Jesus möchte sich deiner bedienen, damit die Menschen mich erkennen und lieben. Er möchte auf Erden die Verehrung meines Unbefleckten Herzens begründen. Wer sie annimmt, dem verspreche ich das Heil, und diese Seelen werden von Gott geliebt wie die Blumen, die von mir hingestellt sind, um seinen Thron zu schmücken." Hier wird vorangekündigt, was die Gottesmutter bei der Erscheinung am 13. Juli versprechen und am 10. Dezember 1925 in Pontevedra einlösen wird. Wir kommen auf die Ereignisse noch ausführlich zu sprechen.

Nach diesen Worten öffnete die Gottesmutter erneut die Hände, wie schon im Mai, und tauchte die Seherkinder in ein unermessliches Lichtmeer ein. Lucia schreibt: "Darin sahen wir uns wie in Gott versenkt. Jacinta und Francisco schienen in dem Teil des Lichtes zu stehen, der sich zum Himmel erhob, und ich in dem Teil, der sich über die Erde ergoss. Vor der rechten Handfläche Unserer Lieben Frau befand sich ein Herz, umgeben von Dornen, die es zu durchbohren schienen. Wir verstanden, dass dies das durch die Sünden der Menschheit verletzte Unbefleckte Herz Mariens war, das Sühne wünscht."

KInder von FatimaDritte Erscheinung der Gottesmutter in der Cova da Iria - 13. Juli 1917.

Die Dorfbewohner haben den Ruf der Gottesmutter vernommen. Sie nahmen den Rosenkranz in die Hand und begleiteten diesmal die Seherkinder zur Cova da Iria. An der Steineiche angekommen, sah Lucia bald wieder den ersehnten "Blitz" sich nahen. Auf die erneute Frage, was die Frau von ihr wünsche, erhielt Lucia eine Antwort, die fortan dem Rosenkranz eine unerhörte, bisher unbekannte Dimension verleihen sollte:
"Betet weiterhin jeden Tag den Rosenkranz zu Ehren Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz, um den Frieden für die Welt und das Ende des Krieges zu erlangen, denn nur sie allein kann es erreichen!"

Mit diesen ihren Worten stellte sich die Gottesmutter geradezu als Fürsprecherin und Vermittlerin der Gnade des Friedens zwischen Gott und den Menschen hin. Das Mittel dazu ist der tägliche Rosenkranz! Lucia bat um ein Zeichen. Doch die Gottesmutter verwies sie auf den Oktober; da werde sie ein Wunder vollbringen, damit alle zum Glauben kommen. Mit einer wiederholten Bitte, doch weiterhin täglich den Rosenkranz zu beten, leitete Maria über zu einer Vision, die biblische Glaubensaussagen über das Leben jenseits der erfahrbaren Welt in einer bisher noch nie da gewesenen Weise eröffnen. Sie können daher auch nur im Glauben und im Lichte der Aussagen der Heiligen Schrift gesehen und verstanden, nie hingegen spekulativ oder rational erkannt werden. An dieser wichtigen Stelle des Fatima-Ereignisses angekommen, lassen wir Lucia selbst erklären, was geschah.

Dann fuhr sie fort: "Opfert euch auf für die Sünder und sagt oft, besonders wenn ihr ein Opfer bringt:
„O Jesus, aus Liebe zu Dir, für die Bekehrung der Sünder und zur Sühne für die Sünden gegen das Unbefleckte Herz Mariä!"

Bei diesen letzten Worten öffnete Sie aufs Neue die Hände wie in den zwei vorhergehenden Monaten. Der Strahl schien die Erde zu durchdringen, und wir sahen gleichsam ein Feuermeer und eingetaucht in dieses Feuer die Teufel und die Seelen, als wären sie durchscheinend und schwarz oder bronzefarbig glühende Kohlen in menschlicher Gestalt. Sie trieben im Feuer dahin, emporgehoben von den Flammen, die aus ihnen selber zusammen mit Rauchwolken hervorbrachen. Sie fielen nach allen Richtungen hernieder, wie Funken bei gewaltigen Bränden, ohne Schwere und Gleichgewicht, unter Schmerzensgeheul und Verzweiflungsschreien, die einen vor Entsetzen erbeben und erstarren machten. Die Teufel waren gezeichnet durch die schreckliche und grauenvolle Gestalt von scheusslichen, unbekannten Tieren, aber auch die waren durchsichtig und schwarz. (Ich muss wohl bei diesen Anblick ‘ai’ geschrien haben, wie die Leute es angeblich hörten.) Lucia vermerkt in ihren Aufzeichnungen, dass alle drei Kinder "erschrocken und wie um Hilfe bitten" den Blick zur Gottesmutter erhoben; sie aber fuhr mit sanfter Stimme fort:
"Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder kommen.

Um sie zu retten, will Gott die Andacht zu meinem Unbefleckten Herzen in der Welt begründen. Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele gerettet werden; wenn man aber nicht aufhört, Gott zu beleidigen, wird unter dem Pontifikat Pius’ XI. ein anderer, schlimmerer Krieg beginnen. Wenn ihr eine Nacht erhellt sehen werdet durch ein unbekanntes Licht, dann wisset, dass dies das grosse Zeichen ist, das Gott euch gibt, dass er nun die Welt für ihre Missetaten durch Krieg, Hungersnot, Verfolgung der Kirche und des Heiligen Vaters strafen wird. Um das zu verhüten, werde ich kommen, um die Weihe Russlands an mein Unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen zu fordern. Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren, und es wird Friede sein, wenn nicht, dann wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Verfolgungen der Kirche heraufbeschwören, die Guten werden gemartert werden und der Heilige Vater wird viel zu leiden haben; verschiedene Nationen werden vernichtet werden; am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren. Der Heilige Vater wird mir Russland weihen, das sich bekehren wird, und es wird der Welt eine Zeit des Friedens geschenkt werden. In Portugal wird sich immer das Dogma des Glaubens erhalten. Davon sagt niemand etwas; Francisco könnt ihr es mitteilen. Wenn ihr den Rosenkranz betet, dann sagt nach jedem Geheimnis: „O mein Jesus, verzeihe uns unsere Sünden; bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen."

Erneut erhob sich die Erscheinung und verschwand in östlicher Richtung in der Ferne des Firmaments.

Vierte Erscheinung der Gottesmutter in der Cova da Iria - 19. August 1917

Am Morgen des 13. August lag grosse Spannung über den Elternhäusern von Lucia bzw. Francisco und Jacinta. Schon am Abend vorher kam das Volk aus allen Gegenden Portugals. Man hatte allen Grund dazu, denn schon meldete sich die atheistische Staatsmacht lautstark zu Wort, die im ganzen Geschehen um Fatima nichts anderes als eine Machenschaft der Kirche und des Klerus gegen die Pläne des Staates vermutete. Kurz zuvor hatte man als Staatsziel erklärt, dass in zwei Generationen der Gottesglaube in Portugal zur Gänze ausgerottet sein werde. Konfessionelle Schulen wurden gesperrt, öffentliche Gottesdienste verboten, Klöster aufgehoben. Und jetzt stand diese geballte Macht ratlos vor drei Kindern. Unter dem Vorwand, die Kinder vor dem Ortspfarrer zur Rechenschaft zu ziehen, wurden sie buchstäblich aus der Hand ihrer Eltern entführt und kurzerhand ins Gefängnis der Kreisstadt Ourem geworfen. Dort verbrachten sie die Zeit zwischen dem 13. und 15. August. Im Gefängnis selber spielten sich ergreifende Szenen ab. Lucia schreibt: "Es war die Abwesenheit der Eltern, die Jacinta am schwersten fiel. Mit tränenüberströmtem Gesicht klagte sie: "Weder deine noch meine Eltern kamen, um uns zu besuchen. Sie haben nichts mehr für uns übrig." - "Weine nicht", sagte Francisco zu ihr, "opfern wir es Jesus für die Sünder auf." Augen und Hände zum Himmel gehoben, sprach er das Aufopferungsgebet: "O mein Jesus, es ist aus Liebe zu Dir und für die Bekehrung der Sünder." Jacinta fügte hinzu:
"Und auch für den Heiligen Vater und zur Wiedergutmachung der Sünden, die gegen das Unbefleckte Herz Mariens begangen werden."

Die beiden Kinder Marto wurden im Gefängnis von Lucia getrennt verhört. Als man sie wieder zusammenbrachte, drohte man ihnen, falls sie nicht zugäben, die Erscheinungen seien blosse Sinnestäuschung oder eine erfundene Lüge gewesen, sie bei lebendigem Leib zu braten. Die Kinder nahmen das Wort der Erwachsenen ernst und bereiteten sich darauf vor, bald gebraten zu werden. Jacinta hatte, trotz des Willens, für das Gesehene zu sterben, Tränen in den Augen. Lucia fragte die Kleine, warum sie weine: "Weil wir sterben werden, ohne unsere Väter und Mütter wieder gesehen zu haben", antwortete sie, "ich möchte wenigstens meine Mutter sehen!" Auf die Frage Lucias, ob sie denn nicht wirklich alles für die Bekehrung der Sünder aufopfern möchte, rief sie: "Ich will, ich will!" Und um dies zu bekräftigen, verrichtete sie sofort das Aufopferungsgebet, das sie vor einigen Minuten zusammen mit ihrem Bruder Francisco schon einmal gebetet hatte. Das Verhalten der drei Kinder machte einen gewaltigen Eindruck auf die weiteren Insassen des Gefängnisses; als die Seher den Rosenkranz zu beten begannen, betete so manch ein Insasse aus Rührung und Staunen mit.

Schliesslich wurden die Kinder dennoch freigelassen. Die kirchenfeindliche Staatsmacht hatte vor drei kleinen Kindern, die sich nicht scheuten, selbst ihr Leben für ihre Überzeugung zu opfern, kapituliert. Hat Gott diese Verhöre zugelassen, damit wir nachträglich aus dem schriftlichen Zeugnis der Feinde Fatimas wissen, was damals geschah? So verstrich der 13. August. Die Kinder waren traurig, da sie nicht in die Cova da Iria gehen konnten. Geduldig warteten sie nun auf den 13. September.

Doch schon ein paar Tage danach, am 19. August, als die Kinder mit ihren Schafen eine neue Weide aufsuchten, erreichten sie die Stelle, die Valinhos heisst. Lucia bemerkte den "Blitz", den Lichtschein, mit dem die Gottesmutter ihr Kommen ankündigte. Es war wohl ein Dankeschön des Himmels, dass die Gottesmutter sich hier, in Valinhos, den Kindern zeigte und sie erneut bat, täglich den Rosenkranz zu beten für die Bekehrung der Sünder. Dem fügte sie erneut die Ankündigung hinzu, dass sie "im letzten Monat", das heisst bei ihrer letzten Erscheinung, ein Wunder wirken werde, damit alle glauben. Bevor die Gottesmutter verschwand, sprach sie die eindringlichen Worte: "Betet, betet viel und bringt Opfer für die Sünder, denn viele Seelen kommen in die Hölle, weil sich niemand für sie opfert und für sie betet."

Dann erhob sie sich und verschwand wie gewöhnlich in Richtung Osten.

Fünfte Erscheinung der Heiligen Jungfrau Maria in Fatima - 13. September 1917

Die Kunde von den Erscheinungen in der Cova da Iria verbreitete sich in Windeseile. Zahlreiche Leute, Menschen aus dem Adel und Bauern gleichermassen, drängten sich durch die engen Gassen von Aljustrel, wo die Kinder wohnten. Alle wollten mit ihnen sprechen, sie sehen, fragen, um Heilung bitten. Die atheistischen Gegner warteten auf eine passende Gelegenheit, den von ihnen vermuteten Schwindel aufzudecken und warnten die Leute vor einem Besuch in der Cova da Iria. Alles nützte nichts. Am 13. September waren, so vorsichtige Schätzungen, 25’000 Personen aus allen Teilen Portugals anwesend, als sich die Gottesmutter zur gewohnten Mittagszeit ankündigte. Lucia beschreibt diesen Morgen in ihren Erinnerungen mit lebhaften Worten, besonders die vielen Kranken und Leidenden, die um Hilfe und Fürsprache baten. "Wenn diese Leute sich vor drei armen Kindern niederwarfen, nur weil ihnen barmherzigerweise die Gnade geschenkt wurde, mit der Gottesmutter zu sprechen, was würden sie erst tun, wenn sie Jesus Christus selbst vor sich sähen?" Als die Seherkinder an der Steineiche ankamen, betete das Volk schon den Rosenkranz. Die Gottesmutter liess nicht auf sich warten. Nach der üblichen Ankündigung durch einen hellen Lichtschein sahen die Kinder sie über der Steineiche. Sie knieten nieder und vernahmen die Worte:
"Betet weiterhin den Rosenkranz, um das Ende des Krieges zu erlangen." Zurückkommend auf das Versprechen, im Oktober ein grosses Wunder zu wirken, weitete sie die Vorankündigung aus und sagte:
"Im Oktober wird auch Unsere Liebe Frau von den Schmerzen und vom Karmel sowie der heilige Josef mit dem Jesuskind kommen, um die Welt zu segnen. Gott ist mit euren Opfern zufrieden, aber er will nicht, dass ihr mit dem Strick schlaft. Tragt ihn nur tagsüber." Aus lauter Busseifer hatten sich die Kinder nämlich einen rauen Strick um den Leib gebunden, damit sie auch dann Opfer bringen könnten, wenn es mal eine Stunde geben sollte, in der sie sonst nichts aufzuopfern hätten. Voller Liebe sah die Gottesmutter auf diese Opferbereitschaft und milderte die selbst auferlegte Härte ab.

Lucia bat die Gottesmutter erneut, wie auch schon bei den vorausgehenden Erscheinungen, um die Heilung "einiger Kranken und eines Taubstummen", was ihr die Gottesmutter auch sofort gewährte, bevor sie sich, im Lichtschein eingehüllt, in Richtung Osten entfernte.

SonnenwunderSechste Erscheinung der Gottesmutter in der Cova da Iria - 13. Oktober 1917

Die Zeit vom 13. September bis zum 13. Oktober war für die Seherkinder sehr bewegt. Sie litten viel unter den täglichen Beleidigungen der Dorfbevölkerung, deren grösster Teil zwar sichtlich neugierig war, jedoch ein sehr ablehnendes bis spöttisches Verhalten an den Tag legte. Der Dorfpriester versuchte eifrig den Kindern und deren Eltern einzureden, dass sie alles zu leugnen hätten, da die Gottesmutter nicht so einfach irgend jemandem erscheine, und erst recht nicht in Fatima, und besonders auch wegen der feindseligen Einstellung der staatlichen Behörden, die das Leben der Kirche auch ohne wunderbare Erscheinungen schon zur Genüge einschränkten und erschwerten. Die Kinder mögen daher im Gehorsam und zum Wohle der Kirche derlei Dinge nicht weiterhin behaupten. Andere wiederum drohten den Kindern, nicht zuletzt der Administrator, der in Aussicht stellte, dass er im Oktober eine Bombe neben den Kindern zünden werde.

Am 13. Oktober regnete es schon frühmorgens in Strömen. Da die Eltern Lucias fürchteten, es könnte doch noch ein "Schwindel" aufgedeckt werden und dies der letzte Tag ihres Lebens sei, munterten sie Lucia auf, zur hl. Beichte zu gehen; sie selbst wollten, um ihr Kind zu beschützen, bei der behaupteten Erscheinung in unmittelbarer Nähe sein. Unterstützt von ihren Eltern arbeiteten sich die Kinder durch den grossen Schlamm zur Steineiche durch. Überall suchten die Menschen den Kindern ihre Bitten mitzugeben: "Betet für meinen blinden Sohn, für einen Gelähmten, für einen Kranken..." Der Regen schien nicht aufhören zu wollen.

Um die Mittagszeit knieten die Kinder nieder, denn sie sahen "ihren Blitz", währenddessen das ganze Volk, es waren schätzungsweise 70’000 Personen zugegen, durchnässt vom Regen und in tiefem Morast stehend, den Rosenkranz betete. "Was wünschen Sie von mir?" sprach Lucia die Gottesmutter an. "Ich möchte dir sagen, dass hier eine Kapelle zu meiner Ehre gebaut werden soll. Ich bin Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz. Man soll weiterhin täglich den Rosenkranz beten.

Der Krieg geht zu Ende, und die Soldaten werden in Kürze nach Hause zurückkehren." Lucia: "Ich hätte um so vieles zu bitten. Ich möchte wissen, ob Ihr die Bitten erfüllt oder nicht." Die hl. Jungfrau entgegnete, sie werde einige der Bitten erfüllen, die anderen nicht. Dann kam sie sofort wieder auf den Höhepunkt ihrer Botschaft zurück: "Die Leute sollen sich bessern und um Verzeihung ihrer Sünden bitten." Traurigkeit überschattete ihre Züge, als sie mit flehender Stimme sprach: "Man soll den Herrn, unsern Gott, nicht mehr beleidigen, der schon so sehr beleidigt worden ist." Die "Frau" hatte ihren Namen genannt: Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz. Hatte sie bisher immer nur von den Kindern verlangt, täglich den Rosenkranz zu beten, so sprach sie nun alle Christen an: "Man soll weiterhin täglich den Rosenkranz beten!" Als Bestätigung der Macht, die sie diesem Gebet zu verleihen gedenkt, sagte sie voraus, dass die Soldaten bald heimkehren werden.

Man mag sich zuweilen fragen, warum den Rosenkranz? Und es mögen auch viele plausible Argumente dafür sprechen, im Grunde genommen jedoch bleibt die Antwort das Geheimnis der Gottesmutter. Viel wichtiger scheint mir an dieser Stelle der Hinweis darauf zu sein, dass es die Mutter Jesu und unsere himmlische Mutter war, die diesen Wunsch äusserte und Grosses durch ihn versprach. Ziemt es sich für ein wohlerzogenes Kind nicht, den Wunsch einer Mutter, auch wenn alle Hintergründe nicht erhellt sind, zu erfüllen?

Als Dank für ihre Treue öffnete die Gottesmutter vor ihrem Weggang erneut ihre Hände, und ein Strahl, stärker als die Sonne, durchflutete den Ort. Die Kinder sahen sie in gewohnter Weise am östlichen Horizont verschwinden, währenddessen die Anwesenden Augenblicke des höchsten Glücks und zugleich unaussprechlicher Schrecken, das grosse Sonnenwunder, erlebten. Viele Menschen wurden schlagartig gesund, Lahme erhoben sich und priesen Gott, Blinde riefen ihre Freude über das zurück gewonnene Augenlicht aus und jene, die die Erscheinungen - und mit ihnen den Glauben des Volkes - bekämpften, schlugen sich reumütig und zum Zeichen ihrer Bekehrung an die Brust.

Avelino de Almeida, ein Reporter, beschreibt in "O Século" den Ablauf der Ereignisse, wie sie von den Anwesenden erlebt wurden. "Das ganze Volk in der Cova sah plötzlich ein Lichtbündel wie einen Sonnenball. Der Stern erinnerte an eine Platte aus mattem Silber. Es war möglich, ohne auch nur im Geringsten geblendet zu werden, in diese ‘Scheibe’ zu schauen. Sie brannte und blendete nicht. Man möchte sagen, dass sich eine Sonnenfinsternis ereigne. Aber siehe! Es löst sich ein kolossaler Schrei und man hört von den Zuschauern, die sich in der Nähe befanden, wie sie rufen: Ein Wunder, ein Wunder! Ein Schauspiel, ein Schauspiel! Bleich vor Schrecken, mit entblösstem Haupt, starrte alles in den blauen Himmel; der Feuerball hatte die Wolken durchbrochen und war zu sehen wie eine vibrierende Sonne." "Die Sonne machte schroffe Bewegungen, wie sie bisher niemals zu beobachten waren, ganz gegen alle kosmischen Gesetze; es löste sich auch aus dem Mund einiger der typische Ausdruck: Die Sonne tanzte." Vom Vater Lucias sind die Worte überliefert: "Alle hatten die Augen zum Himmel erhoben, als die Sonne stillstand und danach zu tanzen begann. Sie blieb stehen, um nochmals zu tanzen, bis sie sich ganz vom Himmel zu lösen und auf uns hernieder zu fallen schien wie ein riesiges Feuerrad. Es war ein schrecklicher Augenblick. Viele schrien: "O weh, wir sterben alle! Unsere Liebe Frau, hilf uns!" Es gab Leute, die laut ihre Sünden bekannten. Schliesslich blieb die Sonne auf ihrem gewohnten Platz stehen." Erst als das Ereignis vorbei war, bemerkten die Menschen, dass ihre völlig durchnässten Kleider plötzlich trocken waren.

Die Seher selbst bemerkten kaum etwas von dem, was um sie herum geschah. Noch schauten sie der im Horizont verschwindenden Lichtflut nach, als ihnen plötzlich weitere Schauungen zuteil wurden. Lucia beschreibt das Folgende mit sehr einfachen, schlichten Worten als ein unvergessliches, eindrückliches Erlebnis und bemerkt dazu, dass sie, um alles richtig zu beschreiben, keine passenden menschlichen Worte fände.

"Nachdem Unsere Liebe Frau in der unendlichen Ferne des Firmaments verschwunden war, sahen wir dann zur Seite der Sonne den heiligen Josef mit dem Jesuskind und Unsere Liebe Frau in Weiss gekleidet mit einem blauen Mantel. Der heilige Josef mit dem Jesuskind schien die Welt mit einer Handbewegung in Kreuzesform zu segnen. Kurz darauf verschwand die Erscheinung."

Das Sterben von Francisco

Francisco wurde im Oktober 1918 ernsthaft krank. An die Familienmitglieder, die ihm eine gute Besserung wünschten, antwortete er: "Das ist nicht nötig. Unsere Liebe Mutter will mich bei sich im Himmel haben". Während seiner Krankheit übergab sich Francisco ganz an Jesus.

"Ich leide viel", sagte er zu Lucia, aber ich leide aus Liebe zu Jesus und zu Unserer Lieben Mutter. Ich möchte noch mehr leiden, aber ich kann nicht." Zu seiner Mutter sagte er: "Oh Mutter, ich habe keine Kraft mehr um den Rosenkranz zu beten. Die Ave Marias ja, die bete ich, aber meine Gedanken sind ganz woanders! "Er beichtete. Fragt auch ihr Unseren Lieben Heiland, dass Er uns unsere Schuld vergibt." Danach folgte seine erste und letzte Begegnung mit dem 'Verborgenen Jesus' in der Heiligen Kommunion. Weil er zu schwach war um den Rosenkranz zu beten, fragte er seine Nichte und seine Schwester diesen laut zu beten; er würde ihn dann in Gedanken mitbeten. In einer Nacht sagte er zu seiner Mutter: "Schau Mutter, das Licht ist so schön da bei der Tür". Es war seine letzte Nacht. Am folgenden Tag, Freitag den 4. April 1919, fragte er nochmals alle um Vergebung. Um 10.00 Uhr, während die Sonne mit starken Strahlen durch die Zimmertür schien, ist Francisco gestorben und ging für ihn der Himmel auf. Er wurde auf dem Friedhof von Fatima begraben. Am 12. März 1952 wurden die körperlichen Überreste von Francisco ausgegraben und in der rechten Seite der Basilika von Fatima begraben.

Das Sterben von Jacinta

Schon 1918, ein Jahr nach den Erscheinungen, begann der 'Kreuzweg' von Jacinta mit einer Krankheit, die zu ihrem frühen Tod führte. Zuerst hatte sie eine Lungenentzündung, danach einen Abszess auf der Brust, der ihr sehr viel Schmerz zufügte. Sie wurde ins Hospital in Vila Nova de Ourém gebracht. Eine neue Gelegenheit um für die Bekehrung der Sünder zu leiden. Zwei Monate später kam sie wieder nach Hause, jedoch mit einer offenen Wunde auf ihrer Brust. Die Tuberkulose schwächte ihren ohnehin schon schwachen Zustand noch mehr. "Ob Jesus wohl einverstanden ist mit dem Leiden, das ich für ihn opfere"? fragte sie Lucia.
 
Im Februar 1920 kam sie ins Krankenhaus Santa Estefania in Lissabon. Bei dem Gedanken weit weg von ihren geliebten Eltern und von Lucia sterben zu müssen, tröstete sie sich für die Sünder leiden zu können. Unsere Liebe Mutter besuchte sie dreimal im Krankenhaus. Hier sprach Jacinta Wörter, die sicher über ihr kindliches Auffassungsvermögen hinaus gingen. Sie sprach über verschiedene Lebensaufgaben und Verpflichtungen: über Priester, Regierungen, Ärzte, über die Verfolgung der Kirche, über Gehorsamkeit der Klosterbewohner, die Ehe, Reichtum, Armut... Es waren Gedanken, die sicher von Gott eingegeben waren. In der Nacht zum 20. Februar erfüllte sich schliesslich das Versprechen dass ''die Frau, die strahlender als die Sonne ist gegeben hat: "Ich werde kommen und dich mit ins Paradies nehmen". Sie wurde zuerst auf dem Friedhof von Vila Nova de Ourém begraben; später, im Jahr 1935, auf dem Friedhof von Fatima, neben Francisco. Am 1. März 1951 wurde der Körper von Jacinta auf der linken Seite der Basilika in Fatima beigesetzt. Am 13. Mai 2000 wurden diese beiden kleinen Seher Francisco und Jacinta selig gesprochen durch Papst Johannes Paul ll. Ihr kirchlicher Festtag ist der 20. Februar.

Der Weggang von Lucia aus Fatima

Im Auftrag vom Bischof von Leiria verliess Lucia im Jahr 1921 ihren Geburtsort. Vier Jahre verblieb sie in einem Mädchenpensionat, geleitet von den Dorother Schwestern in Vilar bei Porto. Ihre Gegenwart in Fatima könnte nämlich eine Behinderung sein um die Erscheinungen Unserer Lieben Mutter unparteiisch auf ihre Echtheit zu untersuchen. Die bürgerliche Obrigkeit und einige Gruppen begannen eine Lästerkampagne zu gründen; Lucia wurde fortwährend und lang ausgefragt. Aus diesem Grund hielt man es für passend die 'Seherin’ zu den Schwestern von Vilar zu bringen, ohne dass jemand etwas merkte. Im Sommer 1925 trat Lucia bei den Schwestern der H. Dorothea in Spanien ein, direkt an der Grenze von Portugal.

Erste Erscheinung der Heiligen Jungfrau Maria mit dem Kind Jesus in Pontevedra

Am 10. Dezember (1925) erschien mir die Heiligste Jungfrau in Pontevedra, schreibt Schwester Lucia, "in einer leuchtenden Wolke"; an der Seite der Gottesmutter war ein Kind zu sehen. Die Gottesmutter legte ihre Hand auf die Schultern Lucias und zeigte ein von Dornen umgebenes Herz, das sie in der rechten Hand hatte. Das Kind sagte:
"Habe Mitleid mit dem Herzen deiner Heiligsten Mutter, umgeben von Dornen, mit denen die undankbaren Menschen es ständig durchbohren, ohne dass jemand einen Sühneakt machen würde, um sie herauszuziehen."

Darauf sagte die Heiligste Jungfrau: "Meine Tochter, schau mein Herz, umgeben von Dornen, mit denen die undankbaren Menschen durch ihre Lästerungen und Undankbarkeiten es ständig durchbohren. Suche wenigstens du mich zu trösten und teile mit, dass ich verspreche, all jenen in der Todesstunde mit allen Gnaden, die für das Heil dieser Seelen notwendig sind, beizustehen, die fünf Monate lang jeweils am ersten Samstag beichten, die heilige Kommunion empfangen, einen Rosenkranz beten und mir während 15 Minuten durch Betrachtung der 15 Rosenkranzgeheimnisse Gesellschaft leisten in der Absicht, mir dadurch Sühne zu leisten."

Zweite Erscheinung der Heiligen Jungfrau mit dem Kind Jesus an Lucia in Pontevedra

Als ihr am 15. Februar 1926, (und dann auch am 17. Dezember 1927) knapp zwei Monate nach dem Auftrag, das Jesuskind allein im Klostergarten erschien und danach fragte, ob die Andacht zu Seiner Mutter schon verbreitet werde, sprach sie von den Schwierigkeiten, der sie, eine Ordensfrau, bei solch einem Vorhaben, innerhalb der Klostermauern und zum Gehorsam verpflichtet, begegne.

Weiter berichtete sie dem Jesuskind, dass die Oberin schon einiges getan habe, um die Sühnesamstage zu verbreiten, der Beichtvater ihr jedoch mit dem Argument entgegentrat, dass sie allein nichts vermöge. Jesus gab ihr zur Antwort: "Es ist wahr, dass deine Oberin allein nichts vermag, aber mit meiner Gnade kann sie alles."

Am 13. Juni 1929 wurde Schwester Lucia Zeugin einer weiteren Erscheinung, in der die Gottesmutter die zweite Aussage vom Schluss der Höllenvision weiterführte: Der Heilige Vater wird mir Russland weihen! Lucia schreibt, dass in ihr die innere Gewissheit heranreifte, der Augenblick sei gekommen, der Kirche den Wunsch bezüglich der Weihe Russlands und ihres Versprechen, es zu bekehren, mitzuteilen.

Sie schreibt: Ich hatte von meinen Oberinnen und meinem Beichtvater die Erlaubnis erbeten und erhalten, jeweils in der Nacht von Donnerstag auf Freitag von elf Uhr bis Mitternacht eine heilige Stunde zu halten. Eines Nachts war ich allein; ich kniete mich an das Geländer in der Mitte der Kapelle, um die Gebete des Engels zu beten. Da ich mich müde fühlte, richtete ich mich auf und betete weiter mit ausgebreiteten Armen. Nur das ewige Licht brannte. Plötzlich erhellte sich die ganze Kapelle durch ein übernatürliches Licht und auf dem Altar erschien ein Kreuz aus Licht, das bis zur Decke reichte. In einem klaren Licht sah man im oberen Teil des Kreuzes das Antlitz und den Oberkörper eines Menschen, über der Brust eine Taube, ebenfalls aus Licht, und an das Kreuz genagelt den Körper eines anderen Menschen. Ein wenig tiefer, in der Luft schwebend, sah man den Kelch und eine grosse Hostie, auf die einige Tropfen Blutes herabliefen. Von der Hostie herabgleitend fielen diese Tropfen in den Kelch. Unter dem rechten Arm des Kreuzes stand Unsere Liebe Frau; es war Unsere Liebe Frau von Fatima mit ihrem Unbefleckten Herzen in der linken Hand ohne Schwert und Rosen, jedoch mit einer Dornenkrone und Flammen. Unter dem linken Arm des Kreuzes bildeten sich einige grosse Buchstaben, die auf den Altar zuliefen, gleichsam als wären sie aus kristallklarem Wasser, die die Worte bildeten: GRATIA et MISERICORDIA / Gnade und Erbarmen!

Ich verstand, dass mir das Geheimnis der Heiligsten Dreifaltigkeit gezeigt worden war und empfing Erleuchtungen über dieses Geheimnis, das zu offenbaren mir nicht gestattet ist. Anschliessend sagte mir Unsere Liebe Frau:
"Es ist der Augenblick gekommen, in dem Gott den Heiligen Vater auffordert, in Vereinigung mit allen Bischöfen der Welt die Weihe Russlands an mein Unbeflecktes Herz zu vollziehen; ER verspricht, es durch dieses Mittel zu retten. So viele Seelen werden von der Gerechtigkeit Gottes wegen der Sünden, die gegen mich begangen werden, verdammt, so dass ich komme, um Sühne zu bitten. Opfere dich für diese Meinung und bete."

Dritter Teil des sogenannten Fatima-Geheimnisses

"J.M.J. Der dritte Teil des Geheimnisses, das am 13. Juli 1917 in der Cova da Iria, Fatima, offenbart wurde. Ich schreibe aus Gehorsam gegenüber Euch, meinem Gott, der es mir aufträgt, durch seine Exzellenz, den Hochwürdigsten Herrn Bischof von Leiria, und durch Eure und meine allerheiligste Mutter.

Nach den zwei Teilen, die ich schon dargestellt habe, haben wir links von Unserer Lieben Frau etwas oberhalb einen Engel gesehen, der ein Feuerschwert in der linken Hand hielt; es sprühte Funken, und Flammen gingen von ihm aus, als sollten sie die Welt anzünden; doch die Flammen verlöschten, als sie mit dem Glanz in Berührung kamen, den Unsere Liebe Frau von ihrer rechten Hand auf ihn ausströmte: den Engel, der mit der rechten Hand auf die Erde zeigte und mit lauter Stimme rief: Busse, Busse, Busse!

Und wir sahen in einem ungeheuren Licht, das Gott ist, "etwas, das aussieht wie Personen in einem Spiegel, wenn sie davor vorübergehen, einen in Weiss gekleideten Bischof; wir hatten die Ahnung, dass es der Heilige Vater war". Verschiedene andere Bischöfe, Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen die einen steilen Berg hinaufsteigen, auf dessen Gipfel sich ein grosses Kreuz befand aus rohen Stämmen wie aus Korkeiche mit Rinde.

Bevor er dort ankam, ging der Heilige Vater durch eine grosse Stadt, die halb zerstört war und halb zitternd mit wankendem Schritt, von Schmerz und Sorge gedrückt, betete er für die Seelen der Leichen, denen er auf seinem Weg begegnete. Am Berg angekommen, kniete er zu Füssen des grossen Kreuzes nieder. Da wurde er von einer Gruppe von Soldaten getötet, die mit Feuerwaffen und Pfeilen auf ihn geschossen hatten. Genauso starben nach und nach die Bischöfe, Priester, Ordensleute und verschiedene weltliche Personen, Männer und Frauen unterschiedlicher Klassen und Positionen. Unter den beiden Armen des Kreuzes waren zwei Engel, ein jeder hatte eine Giesskanne aus Kristall in der Hand. Darin sammelten sie das Blut der Märtyrer auf und tränkten damit die Seelen, die sich Gott näherten.

Tuy, 3. Januar 1944".

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